Chapter

Der Rotschimmel auf dem Franziskanerplatz

Jeden Morgen nach dem Frühstück setze ich mich noch einige Minuten an das Fenster meines kleinen Eßzimmers und schaue, nichts denkend, auf den Franziskanerplatz hinab. Leute kommen und Leute gehen vor meinen Augen hin und her – im Schatten des Denkmals, das die Stadt Freiburg dem Pulver-Erfinder und Franziskaner-Mönch, dem schwarzen Berthold, aufgestellt hat. Selten fesselt eines der an mir vorüberziehenden Menschenkinder meinen Blick. Alltagsgeschäfte bilden Alltagsgesichter. Nur an Sonntagen, wenn die Menschen, frei vom Joch der Arbeit, morgens zur und von der Kirche gehen und am Nachmittag zu Ausflügen über den Franziskanerplatz wandeln, sieht man verklärte Mienen. Was aber seit einigen Wochen meine Aufmerksamkeit täglich auf sich zieht, das ist ein alter Gaul, der, an einen Milchwagen gespannt, jeden Morgen nach neun Uhr einige Zeit unter meinem Fenster steht. Ich bin sonst kein Freund der Milchkarren, die auf dem genannten Platz auftauchen und wieder verschwinden. Die meisten sind mit Hunden bespannt, und diese Bestien bellen, so oft jemand ihnen und der von ihnen transportierten Ware zu nahe kommt. Hundegebell ist mir aber der verhaßteste Lärm. Mit Pferden bespannte Milchwagen ersparen mir diesen Lärm, und ich sehe sie ebenso gern vor meinem Hause, wie ich die Hundewagen hasse. Der neulich angerückte Karrengaul ist ein Rotschimmel, dem man bessere Tage und einstige Kraft

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