Eine Beichte
Frau Doktor Natalia Kulenkamp in Lübeck gewidmet. In einer der besten Gegenden der Stadt lag der Besitz des Großkaufmanns Cornelius. Vorn erhob sich das zweistöckige Wohnhaus. Nebenan betrat man den Fabrikhof, auf dem zur Rechten der Herrschaftsgarten sich ausbreitete, zur Linken ein kleines Gebäude dem Kassierer Karl Ermeler als Wohnung diente. Weiter hinunter dehnten sich die großen Fabrikgebäude. Lärm und Geräusch! Leben, Bewegung, wohin man sah! Eben ertönte die Abendglocke. An dem Kontrollhause schritten die Arbeiter eilend vorüber. Dann schloß der Hofwächter die Ausgangspforte nach der Straße, und statt des bisherigen zudringlich lauten Lärms der Dampfmaschine und des ungestüm zischenden Geräuschs der abziehenden Dämpfe herrschte lautlose Stille. Nur in dem kleinen Häuschen ward diese gleichsam feierliche Abendruhe durch das ächzende Stöhnen eines Kranken unterbrochen. Der Buchhalter Karl Ermeler lag schwer darnieder, fast schon ringend mit dem Tode. Nebenan saß die Tochter, ein schmales, ebenfalls leidend aussehendes Mädchen mit feinen Zügen. Wenn er litt, sie erduldete bei seinem Schmerz noch weit mehr. Und grade heute, wo nach langjähriger Abwesenheit der einzige Sohn, Ernst Ermeler, in's Vaterhaus zurückkehren sollte, stand's besonders schlecht. Nach vielen Versuchen, nach schweren Kämpfen und Ringen draußen, trieb's ihn zurück in die Vaterstadt. Er halte es nicht