Erstes Kapitel
Über dem runden Stammtisch im Hamburger Hof schwammen die dicken Rauchschwaden von sechs Zigarren und einer Zigarette in der Luft. Trotzdem saßen acht Herren um den Tisch herum. Aber der Regierungsbaumeister August Summer war eben Nichtraucher. Der große eiserne Ofen in der Ecke spie Glutwellen aus. Es war auch nötig. Draußen zeigte das Thermometer 15 Grad unter Null. Das kleine Honoratiorenstübchen war im übrigen leer; die beiden anderen Stammtische hatten heute Feiertag. Amtsgerichtsrat Schacht, Junggeselle, von den Damen stets heimlich Schuft genannt, weil er nur mit einer sehr stattlichen Wirtschafterin zusammenhauste, der man mehrere uneheliche Kinder nachsagte, schlug derb mit der Faust auf die blendend weiße Tischplatte. »Herrschaften – laßt mich mit all dem Roman- und Novellenzeug in Ruhe! Da schreiben diese Herren Dichter Seiten und Seiten von Liebe und Liebesglück, von Sichfinden, von Sichnichtverstehen, von keuschem Empfinden, reinen Gefühlen und so weiter. Alles verlogenes Zeug, alles Unnatur! Ich bitt' Sie: wie soll ein Schriftsteller wohl zum Beispiel eine Ehe, die in die Brüche geht, richtig schildern, wenn er nie den Kernpunkt entblößen darf. Er muß ja stets das Wichtigste weglassen. Sonst schreien die Philister Zeter und Mordio! – Das Wichtigste: und das ist in jeder Ehe doch das intime Verhältnis zwischen Mann und Weib, das sind jene Beziehungen, die man nur