Aufg'setzt
Es war gerade vor dreißig Jahren. Die ältesten Leute wußten sich nicht zu erinnern, daß der Frühling so bald und so schön in’s Land gekommen war, und nicht blos draußen in Wald und Feld, um die Menschen und ihre Wohnungen herum hatte er den starren Bann des Winters gebrochen – auch in den Herzen der Menschen hatte sein milder Hauch einen unerwarteten Frühling geweckt. Auch hier war das Eis jahrhundertlanger Beschränkungen geborsten und ein belebender Hauch der Freiheit ging durch die Lande. Jauchzend, gleich dem entziehenden Vogel, schwebte das entfesselte Wort, schwebte der nicht mehr geknechtete Gedanke dahin; ungehindert fanden sich als Genossen zusammen Alle, die gleiche Gesinnung oder gleiche Absicht verband; ohne Schranken wagte es in den Städten der Bürger, seine ganze Kraft und Fähigkeit zu bewähren; dem Landmann war die Last alter Zeiten vom Nacken genommen und aufgerichtet durfte er Pflug und Sichel führen, denn der Ertrag seines Feldes und Fleißes sollte von nun an ihm gehören. Und triumphirend leuchtete über Allem das Morgenroth einer neuen Hoffnung; sie senkte einen Lichtstrahl in die Gemüther, der die wärmeren Naturen begeisterte und selbst die kühleren erwärmte – den lichten Morgenstrahl des deutschen Gedankens. Wohl verdunkelte der Morgen sich wieder, und lange düstere Tage zogen herauf, ehe die Sonne der Erfüllung emporstieg, aber die Natur, die allzeit