Auferstanden
In den südlichen Abhängen der Tiroler Berge, in die der Gardasee tief hineintritt, liegt ein altes Felsenschlößchen, kühn an die schroffe Bergwand geklebt, wie ein Mövennest an eine vorspringende Klippe, und so günstig gerade an die Stelle gebaut, wo die Thalschlucht eine Biegung macht und sich verengt, daß eine Handvoll entschlossener Leute mit einigen sicheren Geschützen auch heute noch wohl im Stande wäre, einem von Süden heranziehenden Corps den Paß zu verlegen. Auch tragen die alten bezinnten Umfassungsmauern, die in beträchtlicher Höhe vieleckig aufsteigen, vernarbte Spuren erbitterter Kämpfe, die freilich in der Erinnerung des Landvolkes längst erloschen sind. Nicht einmal der Name des alten Baronengeschlechts, das ehemals hier haus’te, hat sich erhalten. Wer nachfragt in einer der Steinhütten, die sparsam das Thal hinunter zerstreut unter Kastanien- und Nußbäumen liegen – auch Wein und Oel gedeiht an den Südabhängen tiefer zum See hinab – der erfährt nur, daß das einsame Schlößchen droben „das Castell“ genannt werde und einem Marchese gehöre, dessen Namen man nicht kenne, wenigstens nicht kannte in den ersten fünfziger Jahren unseres Jahrhunderts, in denen sich zutrug, was ich erzählen will. Damals war, wie Jeder weiß, die Lombardei, in deren geographisches Gebiet dieses Thal schon hinabreicht, noch österreichische Provinz und Wenige ließen sich träumen, wie bald diese