Chapter

Ankunft

Auf der letzten Station vor dem Endziel sprang Rudolf Rabener auf den Bahnsteig. Er reckte sich, seufzte und lächelte. Allen Reiseunbilden hatte er mit schier muselmännischem Gleichmut standgehalten. Zur bösesten Unbill rechnete er unbedingt das Eingepferchtsein in die peinliche Enge, in Staub und Kohlendunst solchen kleinen Eisenbahnabteils. Sie schenkte einem nichts, sie ließ sich tüchtig bezahlen, diese sogenannte moderne Kultur. Aber nun waren mit einem Male Geduld und Stoizismus zum Teufel. Es war schließlich mit den meisten Unternehmungen so, die letzte Etappe erforderte den größten Energieaufwand. Gut wenigstens, daß Semesterschluß bevorsteht. Arbeit? Verkehr? Familiensimpelei – das alles kann er für eine Weile nicht brauchen. Nun fängt er erst wieder an aufzumerken. Das Stück Italien zuletzt, das Land aller Jugendsehnsucht – zu anspruchsvoll für einen Müden. Danach tut die norddeutsche Farblosigkeit wohl, Stille und Maß. Der junge Professor Rabener steht auf dem Bahnsteig der fast dörflichen Station. Spärliches Kleinstadtgewusel schiebt sich um ihn herum, und plötzlich schweben über dieser gesunden Alltagsprosa zwei weiße Schmetterlinge, fesseln Rabeners Blick, wie sie da silberschillernd umeinander gaukeln. Plötzlich fällt ihm seine Schwester Sabine ein, ist Sehnsucht nach ihr da, denn immer waren sie die besten Freunde gewesen, von Kindertagen an. Ein Vorwurf regt

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