Erstes Kapitel
Die Rackowschen waren soeben fortgefahren. Im großen Zimmer räumte Helene mit dem Stubenmädchen den Kaffeetisch ab. Ihr feines Näschen schnoberte, wie’s der Vater nannte, dem leisen, süßen Duft von Waffeln und Pariser Parfüm nach, der noch im Raum lag. Immer hinterließ Tante Marie diesen Veilchengeruch mit dem Moschusakzent, und immer rief er in Helenens erregbarer Phantasie unklare Vorstellungen wach von unerhörtem Luxus, von rauschenden Seidenkleidern, kostbaren indischen Schals, koketten Kapotthütchen, von funkelnden Brillanten und Perlenreihen, die sich um tiefentblößte weiße Nacken schmeichelten. Ganz merkwürdig: immer war dann auch das Bild der schönen Kaiserin Eugenie da, von der die Rackowschen vorhin wieder erzählt hatten. Tante Marie von ihrer Anmut und Eleganz, von den Kleidern, die sie auf der Brunnenpromenade in Ems getragen, und wie groß der Umfang ihrer Krinoline gewesen wäre; Onkel Ernst mit zugespitzten dicken Lippen von ihrer Schönheit, ihrem üppigen rotblonden Haar, ihrem blendenden Teint. Und daß und wie der General Fleury immer um sie gewesen wäre. Da hatten die Herren gelacht, aber Tante Marie und Martha hatten verstohlene Blicke gewechselt. Die Tassen klirrten leise unter ihren Händen. Sie fühlte, wie ihr das Blut in die Wangen stieg. Der Rittmeister schritt schweigend auf dem hausgewirkten Läufer entlang, der in der Diagonale des großen Zimmers lag, von