Erstes Buch
Erstes Kapitel. In der Schloßkapelle der königlichen Sommerburg wurde Frühmesse gelesen. Das Schloß, nicht weit von der Residenz, lag an einem mäßigen Berghang mitten im Park. Nach der Morgenseite war der Berg weit hinauf mit Reben bepflanzt und dann bis zur Spitze mit mächtigen Buchen bestanden. Im Parke gediehen Ahorn, Platane und Rüster und breiteten ihr Laub aus neben Tannen und Weimutskiefern; selbst die Arve war vom Hochlande hieher verpflanzt und zeigte in dichten Nadelbüscheln, daß sie heimisch geworden. Auf Wiesenplanen standen einzelne hohe Fichten, die von unten auf ihr volles Gezweige behalten. Gebüschgruppen von mannigfaltiger Blüten- und Blätterart boten erfrischende Blicke. Das Auge eines wohlordnenden Künstlers schaute aus der ganzen Anlage. Die Wege waren sauber, die Blumen trieften im Morgentau, die Vögel sangen, das frischgemähte Gras duftete, auf dem großen Teiche schwammen Schwäne und fremdländische Enten und wateten bunte Flamingos; mitten im Teiche schnellte ein Springbrunnen seinen Wasserstrahl hoch empor und plätscherte in Wolkenflocken und Wasserstaub wiederum herab. Ein klarer, von Erlen und Hängeweiden eingehegter, vielfach überbrücktet Waldbach rauschte vom Berge nieder, strömte in den Teich und floß aus ihm wieder ab ins Thal nach dem Strome, von welchem da und dort durch das Gebüsch eine blinkende Fläche aufblitzte. An gelegenen Fernsichten und