Chapter

Kapitel 1

Vor Jahrtausenden – kein Gelehrter hat auch nur annähernd die Zeit bestimmt – da war das Gebiet unserer Heimat in einer bergmächtigen Eiskruste begraben. Wo heute Flüsse und Bäche durch blühende Täler rauschen, da zwängten sich unter Aechzen und Krachen die urgewaltigen Eisströme durch, deren Tiefenmächtigkeit nicht selten 2000 Meter übertraf. Einer der gewaltigsten dieser Titanen war der Rhonegletscher. Wie ein stöhnender Drache war er aus seinen himmelanstarrenden Felsentoren zu Tale gekrochen, hatte seinen linken Flügel über das Gebiet der heutigen Südwestschweiz bis nach Lyon ausgereckt, und als sich der wilde Jura seinem Vordringen trotzig entgegenstellte, überrannte er ihn mit eisharter Stirne, paarte sich mit dem jungen Drachen vom Oberaarhorn, dem Aaregletscher, und drang mit ihm über das schweizerische Mittelland vor bis ins heutige Baselland hinein. Da machten der Reuß- und Linthgletscher mit ihnen gemeinsame Sache, und zugleich stieg der alte Drache vom Rheinwaldhorn nieder, stieß mit Berggewalt bis ins Gebiet des heutigen Bodensees vor und streckte seine Zunge fächerförmig bis gegen Sigmaringen und Ehingen hinaus. Sein Schweif reichte immer noch zurück bis in die Lochmulden und Klüfte des Paradiesgletschers im Gebiete des Rheinwaldhorns. Sein Panzerleib schrammte felsige Talsohlen auf, hobelte Bergwände und schliff ganze Felsmassive, die sich ihm entgegenstellten,

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