Chapter

Die Flucht

Von W. Belka. Es war bei der Abendtafel, als Doktor Vollmer seiner Landsmaennin Frau Helgard heimlich einen Zettel zusteckte, den sie unauffaellig verbarg. Sie war geistesgegenwärtig genug, sich nicht merken zu lassen, wie sehr sie diese Art Nachrichtenuebermittlung im ersten Augenblick in Erstaunen setzte. Dann aber fiel ihr ein, dass die Stimmung unter den Passagieren der ersten Kajuete des "Okitu Maru", wie der von Yokohama nach San Franzisko bestimmte japanische Dampfer hiess, seit zwei Tagen auffallend umgeschlagen war. Die bisherige zwanglose Heiterkeit und Liebenswuerdigkeit der zumeist aus reichen Japanern bestehenden Reisegesellschaft ihr gegenueber hatte ploetzlich aufgehoert und einer kuehlen, teilweise fast feindseligen Zurueckhaltung Platz gemacht. Die vier Deutschen an Bord des "Okitu Maru" ahnten, worauf dies zurueckzufuehren war. Hatte man doch schon bei der Abfahrt in Yokohama allerlei Geruechte vernommen, dass Japan sich der Entente anschliessen werde, um die deutsche Kolonie Kiautschau in seinen Besitz zu bringen. Hieran hatte Frau Helgard gedacht, als Doktor Vollmer ihr das Papierroellchen in die Hand gedrueckt hatte. Sicherlich wuerde dieses wichtige Dinge enthalten, sagte sich die Dame mit Recht, und ermunterte daher ihren vierzehnjaehrigen Knaben, der neben ihr an der Tafel sass, wiederholt durch leise Worte, sich bei der Mahlzeit moeglichst zu beeilen.

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