Auf dem Nachttisch I (Dezember 1927)
Brom, Bromural, Pantopon, Bromopon, Pantoral... es geht nichts über ein gutes Buch. Einschlafen – Die Räderchen laufen noch, bei gehemmtem Antrieb, es grübelt, selbst der Pyjama ist noch wach und will gar nicht still liegen. »Eine schreckliche Angewohnheit!« sagte meine gute Großmama. »Im Bett zu lesen! Ein junger Mann legt sich ins Bett und schläft!« Die gute Großmama; sie übertrieb so gern. Gibt es etwas Schöneres, als im Bett zu lesen? Auf der Kurve heult eine verspätete Elektrische; Stimmen tönen herauf; ein Auto pustet; einer geht auf der Treppe – und du liegst in der Kajüte deines Betts, niemand kann dir etwas tun, und du blätterst und liest, Bücher rutschen über die schräge Decke auf den Boden, du hörst es nicht, du legst dich von einer Seite auf die andre Seite, schade, daß man nicht mit den Füßen lesen kann, es wäre eine große Erleichterung... Lesen. Lesen. Obenauf liegen zwei bunt gekleidete Bücher. Von Rudolf Kircher: ›Fair Play‹ und ›Engländer‹ (beide bei der Frankfurter Societätsdruckerei in Frankfurt am Main erschienen). Es ist sehr merkwürdig: England ist für die deutsche Presse noch nicht entdeckt. Ob die sinnlose Überschätzung von Paris darin ihren Beweggrund hat, daß die maßgebende Generation der maßgebenden Redakteure auf der Schule Englisch nur als Fakultativfach gehabt hat oder woran immer es sonst liegen mag: England gibt es kaum. In Paris braucht sich nur