Auf alten Wegen
Ein Wort, das im Herzen des Volkes haftet und leicht von seinen Lippen geht, zu dessem Kern kein philosophischer Schnörkelweg führt, heißt: Die Erinnerung ist das Schönste, sie ist schöner als das Erleben selber. Die Erinnerung malt das Glänzende noch glänzender, das Helle noch leuchtender, dem Trüben gibt sie den verklärten Glanz der Versöhnung und das Harte und Häßliche überfährt sie weich und nimmt ihm die herben Linien. Und wenn ein Mensch, hart geworden in der Not des Lebens, es verschmäht, Saiten der Erinnerung in seiner Seele zu rühren, wenn er, der alle Brücken hinter sich abgebrochen hat, nur den Weg voraus sieht und ihn geht mit schmalen Lippen und herber Seele — einmal, und wenn auch nur ein einziges Mal in seinem Leben, quillt auch in solchem Hartgewordenen das leise, süße Spiel der Erinnerung auf, wenn er an seine Kindheit denkt. Mag sie hart, kalt und seelenlos gewesen sein, irgend eine Winzigkeit birgt auch sie, irgend ein stilles Glück, das in der Erinnerung noch ein letztes Leuchten auf den Weg des Einsamen wirft und ein leises Glänzen in seine Seele, und einen Hauch des Lächelns auf seine Lippen stiehlt. Und wenn du fragst, zu welcher Zeit am klarsten die Quellen der Erinnerung zu rinnen pflegen, so wird es die Zeit des Frühlings sein, wenn die Oede ringsum und das kühle Sterben leise schwellendem, neuem Leben weichen, wenn sich in die graue, seelenlose