Vorwort.
Schon vor einigen Jahren hatte ich mir vorgestellt, daß es lohnend sein könnte, die Geschichte jener Philosophentochter Athenaïs zu schreiben, welche im fünften Jahrhundert als die byzantinische Kaiserin Eudokia durch ihren Geist und ihre Erlebnisse berühmt gewesen ist. Erst mein Aufenthalt in Athen im Frühjahr 1880 hat mich dazu angeregt, diesen Plan aufzunehmen. Wenn man auf der Akropolis Athens, vor dem Tempel der Nike Apteros, oder der Parthenos sitzend, in die Betrachtung der Geschichte Griechenlands sich versenkt, so erscheinen dort der erregten Phantasie deutlicher und persönlicher die Gestalten der Vorzeit, und bald ist man, wie Odysseus im Reiche der Schatten, von einem Chor hellenischer Geister umringt, an die man manche Frage richten möchte. Ich erinnerte mich dort auch jener genialen Athenerin, deren Schicksale ich in ihren Umrissen kannte, und zwar aus der Geschichte ihrer Tochter Eudoxia, der Gemalin des römischen Kaisers Valentinian III. Nach meiner Rückkehr von Athen zog ich das Material für eine Biographie der Athenaïs aus den byzantinischen Geschichtschreibern. Ich überzeugte mich dabei, daß eher noch eine Anschauung jener rätselhaften Zeit, als ein lebendiges Porträt der berühmten Frau zu gewinnen sei. Doch das hat mich nicht von meinem Vorsatze abgeschreckt. Denn zu anziehend ist der Prozeß jener Epoche selbst, wo das antike Heidenthum in der Stadt Platos