Chapter

Kapitel I

Ich war damals fünfundzwanzig Jahr alt, begann N. N.: — wie ihr seht, Begebenheiten längst verflossener Tage. Ich hatte mich soeben frei gemacht und war in‘s Ausland gereist, nicht um »meine Erziehung zu vollenden,« wie man damals zu sagen pflegte, sondern einzig nur, weil ich mich in Gottes weiter Welt umschauen wollte. Ich war gesund, jung, heiter, an Geld fehlte es mir nicht, Sorgen drückten mich noch nicht — ich lebte in den Tag hinein, that, was ich wollte, mit einem Worte, ich stand in vollem Flor. Es fiel mir damals nicht ein, daß der Mensch keine Pflanze und seine Blüthezeit nicht von Dauer ist. Die Jugend ißt vergoldete Pfefferkuchen und denkt dabei, das eben sei das tägliche Brod; — es kommt aber die Zeit, wo man sich nach einem Stück trockenen Brodes vergebens sehnen wird. Doch es lohnt nicht, davon zu reden. Ich reiste ohne Ziel und Plan; machte überall Halt, wo es mir gefiel, und zog weiter, sobald ich das Bedürfniß empfand, andere Gesichter zu sehen, -— namentlich: Gesichter. Mich interessirten ausschließlich nur die Menschen; ich haßte die sehenswerthen Denkmäler, die Sammlungen von Merkwürdigkeiten, schon der Anblick allein eines Lohndieners erregte in mir ein Gefühl von Langeweile und Erbitterung; in dem Dresdener »grünen Gewölbe« hätte ich fast den Verstand verloren. Die Natur wirkte mächtig auf mich, ich liebte jedoch nicht ihre sogenannten Schönheiten, ihre

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