Chapter

Die Liebenden von Kandahar

Ihr fragt, ob er schön war? Schön wie ein Engel! Die Gesichtsfarbe leicht gebräunt, nicht in dem trüben, erdfarbenen Tone, dem sicheren Ergebnis einer Mischlingsherkunft; er war warmgebräunt wie eine Frucht, die in der Sonne gereift. Sein schwarzes Haar ringelte sich in üppigen Locken über die dichten Falten seines blauen, rotgestreiften Turbans; ein zierlicher, gewellter, ziemlich langer Schnurrbart umspielte die feinen Umrisse seiner klargeschnittenen, beweglichen, stolzen Oberlippe, welche das Leben, die Leidenschaft atmete. In seinem milden, tiefen Auge flammten leicht Blitze auf. Er war groß, kraftvoll, schlank, breit in den Schultern, schmal in den Hüften. Niemand war der Gedanke gekommen, seinem Geschlechte nachzuforschen; es war klar, daß das reinste Afghanenblut sein Wesen belebte, und daß, wer ihn betrachtete, den echten Abkömmling jener alten Parther, der Arsakes, der Orodes vor Augen hatte, unter deren Tritten die römische Welt in gerechtem Schrecken einst erschauderte. Seine Mutter hatte ihn, ahnend, was er gelte, bei seiner Geburt Mohsen, »der Schöne«, genannt, und das mit Fug und Recht. Unglücklicherweise fehlte ihm, der so ausgezeichnet an äußeren Vorzügen und nicht weniger vollkommen an Eigenschaften des Geistes war, den die erlauchteste Ahnenreihe ehrte, nur allzu viel: er war arm. Man hatte ihn eben ausgerüstet, denn er war seine siebzehn Jahre alt geworden;

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