Erstes Kapitel
»Wir gingen nach San-Carlo Selbst. in einer so einfachen Sache, wie das Besorgen einer Theaterloge, zeigte sich Armadales Einfalt. Er hatte die Oper mit dem Schauspiele verwechselt und eine Loge dicht an der Bühne genommen, im Wahne, daß bei einer musikalischen Ausführung die Hauptsache sei, die Sänger und Sängerinnen so nahe und deutlich wie möglich zu sehen! Zum Glücke für unsere Ohren sind Bellini’s liebliche Melodien größtentheils sanft und zart instrumentiert, sonst hätte uns das Orchester taub machen können. Anfangs saß ich hinten in der Loge, dem Publikum ganz aus dem Gesicht; denn ich konnte nicht sicher sein, daß nicht zufällig einer meiner alten Bekannten von meinem frühem Aufenthalt hier im Theater war. Allmälig aber lockte mich die süße Musik aus meiner Zurückgezogenheit heraus. Ich war so entzückt und hingerissen, daß ich, ohne es zu wissen, mich verbeugte und auf die Bühne sah. Eine Entdeckung, die ich machte und bei der mir buchstäblich das Blut in den Adern erstarrte, ließ mich erst meine Unvorsichtigkeit gewahr werden. Einer der Sänger im Chore der Druiden sah mich an, während er unter den andern sang. Langes weißes Haar verbarg seinen Kopf und ein wallender weißer Bart bedeckte, dem Charakter angemessen, den unteren Theil seines Gesichts vollkommen. Die Augen aber, die mich anblickten, waren die Augen des einen Mannes auf Erden, welche wiederzusehen ich mich