Chapter

Geschichten vom Kalifenhof

Prinz Abu Ali, ein Urenkel von Harun Alraschîd, pflegte viel in einem der christlichen Klöster Bagdads, genannt Dair Mudjan, zu verkehren und in Gesellschaft lustiger Kumpane Trinkgelage zu veranstalten. Denn von allen Klöstern Bagdads kelterte und verzapfte gerade dies die besten Weine. Der Prinz hielt sich dort tagelang auf, prassend und schlemmend bei Gesang und Tanz, so daß schließlich die Nachbarsleute des Quartiers sich bei der Polizei über sein wüstes Treiben beschwerten. So kam denn die Kunde davon dem hochgestrengen Stadtpräfekten, Isaak Ibn Ibrahîm aus dem allmächtigen Hausmaiergeschlecht der Tahiriden zu Ohren. Der schickte sofort einen Boten zu dem Prinzen, stellte ihm vor, wie unpassend sein Benehmen sei, und mahnte ihn, davon abzulassen. Der Prinz aber in seinem Von-Gottes-Gnaden-Hochmut brauste auf und rief ganz laut: »Was hat der Präfekt mir zu befehlen? Sollte man es glauben, daß der mir verbieten will, meinen Sängerinnen zu lauschen und zu zechen, wo und wie es mich freut?« Als dem Präfekten diese Rede hinterbracht wurde, geriet er in hellen Zorn, hielt aber über Tag an sich, bis es dunkel geworden war. Dann bestieg er sein Roß und ritt, begleitet von seinen Beamten, nach jenem Kloster, ließ es von allen Seiten umstellen, befahl dann das Klostertor zu öffnen und den Prinzen aus dem Obergeschoß, so wie er war, herunterzuholen. Das geschah. Der Prinz erschien,

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