Chapter

Tempe

Es war in den Jugend- und Heldentagen des Christentums. Die Religion der Intoleranz war mit Intoleranz empfangen worden. Die heidnische Frömmigkeit brach hin und wieder mit tierischen Überfällen auf die galiläischen Atheisten herein. Und während diese im stillen ihren leidvollen Kampf führten, hatte ein neuer Messias, der Sternensohn Bar-Kochba, die Juden gegen die römische Weltmacht aufständig gemacht. Die Sonne hatte noch ein Stück ihres Weges zurückzulegen; aber im Tempepaß, der langen Steinschneppe des thessalischen Bergkessels, durch die sich der Peneus ergießt, fing es an finster zu werden. Die Schatten waren vom Boden der Kluft aus schon hoch an dem steilen, lotrechten Marmorfelsen in die Höhe gekrochen, von dem sie nur in der Mittagszeit unter das dichte Laub der Platanen und Myrten flüchteten, wenn die Wellen Peneus' sonnenbeglänzt und durchsichtig über den Tausenden von Steinchen glitzerten, die sich in der grünlichen Tiefe wie Smaragde und Malachit ausnahmen. Die westliche Felswand zeichnete ihre zackige Kante hoch oben an der östlichen scharf ab, deren Spitze mit ihrem Moos, ihren Ritzen und den kletternden Epheuranken im Sonnenlichte glänzte. Die Platanenwälder des Grundes neigten ihre runden, blaugrauen Laubmassen über das weiße Wasser hinab, wie eine Reihe verhüllter Köpfe, die dem Gesang der Wellen lauschen, einem von Vogelgezwitscher begleiteten Lied zum Preise

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