Chapter

Kapitel 1

Der Nebel kroch mit weichen, lautlosen Tatzen über die Spellner Heide bei Wesel. Die Batterien, die sich in den mageren, mahlenden Sand über Manneshöhe eingefressen hatten, waren kaum voneinander zu unterscheiden. Nur die gelben Messingknöpfe vereinzelter Kugelhelme tauchen hier und da auf. Regungslos stehn sie in dem ziehenden Schwaden, verschwinden, um wieder mit stumpfem Leuchten in die Erscheinung zu treten. Es mochte auf sechs gehn. Alles ist schußbereit. Das westfälische Fußartillerie-Regiment Nr. 7 hat heute kriegsmäßiges Schießen. Hinter den Batterien, kaum tausend Schritt von der ersten Staffel entfernt, träumt das Lager noch zwischen seinen gekappten Akazien. Nichts ist zu sehen. Alles ist mit weißen Wattebauschen umkleidet. Vor den Geschützen das ewige Ziehen von Straminfäden und eisgrauen Tüchern ... ein mächtiges, undurchdringliches Chaos. Die Ringkanonen und Bronzegeschütze gähnen ins Leere, ins Nichts, in das gespenstische Treiben eines Hexenkessels. Kein Polygon erscheint, keine Ziele werden sichtbar; überall das brodelnde, gleichmäßige Weben und Fließen, in dem die Geräusche wie auf Baumwollsocken einhergehen. Dann ferner Galoppschlag. Dumpf und hohl klingt er auf dem Heideboden. Wie Schemen sprengen die Reiter durch den fadigen Dunst. Sie kommen vom Lager und nehmen Richtung auf den rechten Flügel der Stellung. Eine silberne Schärpe leuchtet undeutlich auf.

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