Erstes Kapitel
Anna von Geierstein, oder: Die Tochter des Nebels. Erster Band Ein Roman Neu übersetzt von Ernst Elsenhans Was! Soll Lancasters aufwärts strebend Blut Zu Grunde geh'n? Shakespeare. Die Nebel wallen um die Gletscher und die Wolken Erbeben schnell sich unter mir in Wellen, weiß Und schwefelig, wie Schaum aus dem erregten Meer. – – – Mir schwindelt. Manfred. Vier Jahrhunderte sind fast verflossen, seitdem die Ereignisse, welche in den folgenden Kapiteln erzählt werden, auf dem festen Lande stattgefunden haben. Die Urkunden, welche die Umrisse zu der Erzählung enthielten, und auf welche man als auf Beweise für die Wahrheit derselben sich beziehen könnte, wurden lange in der prächtigen Bibliothek des Klosters zu St. Gallen aufbewahrt, gingen aber mit vielen der literarischen Schätze dieser Anstalt zu Grunde, als das Kloster von den französischen Revolutionsarmeen geplündert wurde. Die Begebenheiten werden durch geschichtliche Zeitangaben in die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts gesetzt, jene wichtige Periode, in welcher das Ritterthum noch seine untergehenden Strahlen warf. Bald darnach gerieth es in völlige Dunkelheit, in einigen Gegenden durch die Einführung freier Gesetze, in andern durch die Befestigung der willkürlichen Gewalt. Diese beiden machten gleich sehr die Vermittelung von Leuten unnütz, die nach einer von ihnen selbst ausgegangenen Bestallung das Unrecht ausglichen,