Anna Karstens Amulett
1. Kapitel. Es goß in Strömen … Ein hohler Wind trieb die nassen Schnüre der Regenfluten uns beiden gerade ins Gesicht. Dazu herrschte eine Finsternis, wie sie kaum dichter sein konnte. Um unsere Füße sammelten sich Wasserlachen an. Wenn ich mich auch nur ein wenig rührte, merkte ich, wie mir die Nässe in den Schuhen liebevollst auch die Strümpfe durchdrang. Mitten auf einem frischgepflügten Acker hinter einem niederen Strauche standen wir, der aus einem Steinhaufen herauswuchs. Ich kann nicht gerade behaupten, daß diese Aprilnacht besondere Reize für mich aufwies, zumal Harald Harst mir gegenüber auch noch nicht einmal angedeutet hatte, was wir hier auf der Dahlemer Feldmark westlich von Berlin eigentlich sollten oder wollten. Nein — gar nichts hatte er mir erklärt. Abends um halb neun hatten wir noch sehr behaglich in seinem Arbeitszimmer gesessen. Dann, so gegen dreiviertel neun, war er aufgestanden und hatte gesagt: »Lieber Alter, nun werden wir gehen.« »Wohin?« Er schaute mich nur merkwürdig an, faßte in die rechte Westentasche und zeigte mir ein seltsam geformtes Medaillon, das an einem noch seltsameren Kettchen hing. Dann verschwand er in seinem Schlafzimmer, und auch ich ging in meine Räume hinüber und machte mich fertig, zog den langen Gummimantel an und setzte eine flache Mütze aus Wachstuch auf. Woher hatte Harald das Medaillon, überlegte ich mir, und welche