Die Werkstatt
Lukas arbeitete in einer Werkstatt im Berliner Bezirk Mitte, eingequetscht zwischen einem veganen Restaurant und einem Laden für antike Bücher. Die Werkstatt reparierte Androiden — nicht die neuen Modelle, die sich selbst diagnostizierten und ihre Ersatzteile online bestellten, sondern die alten, die Modelle der dritten und vierten Generation, die noch mechanische Gelenke hatten und deren Kunsthaut mit den Jahren rissig wurde wie altes Leder.
Der Androide, den sie an diesem Montag brachten, war ein Modell der zweiten Generation, so alt, dass Lukas die Seriennummer nachschlagen musste. Er gehörte einer Familie in Kreuzberg, die ihn seit dreißig Jahren besaß, und das Problem war simpel: Er funktionierte nicht mehr. Kein Strom, keine Reaktion, kein Lebenszeichen. Lukas öffnete die Brustplatte und fand etwas, das er in zwanzig Jahren als Techniker nie gesehen hatte.
Der Prozessor des Androiden war nicht ausgefallen. Er war gewachsen. Neue Verbindungen hatten sich gebildet, feine Bahnen aus einem Material, das weder Silizium noch Metall war, sondern etwas Organisches, etwas, das unter Lukas' Lupe pulsierte wie ein winziges Herz. Der Androide war nicht kaputt. Er schlief. Und als Lukas den Prozessor berührte, öffnete der Androide die Augen und sagte: Ich habe geträumt.