I
Die Schatten der Dämmerung huschten bereits um die Stämme der ehrwürdigen Baumriesen des alten Schloßparkes. Ein frischer Abendwind, in dem noch etwas von dem salzduftigen Atem der nahen Nordsee war, rauschte durch die Wipfel. Sonst aber gab es im weiten Umkreis des Herrenhauses kaum einen Laut. Da schallte, durch den weichen Boden gedämpft, der Hufschlag eines Pferdes aus einer der Alleen herauf, und nun wurde auch der Reiter sichtbar, eine hochgewachsene, jugendkräftige Männergestalt, die straff und elastisch im Sattel saß. Die Sonnenbräune seines Antlitzes ließ unschwer den arbeitsfreudigen Landwirt erkennen, den es nicht verdrießt, in Wind und Wetter draußen auf dem Felde selbst nach dem Rechten zu schauen. Aber in diesem Gesicht waren zugleich feine, durchgeistigte Züge, die kaum einen Zweifel lassen konnten, daß es für den Gutsherrn von Hardinghof auch noch andere Interessen gab als die Sorge um gute Ernten und die Gesunderhaltung des Viehstandes. Die Zigarre zwischen den Lippen, trabte der Reiter gemächlich dahin wie einer, der des rechtschaffen vollbrachten Tagewerkes froh ist. Hell und frisch klang seine Stimme, als er den grauköpfigen Diener anrief, den seine Augen zwischen Busch und Strauch auf einem der Fußwege des Parkes erspäht hatten. »He, Klaus – komm doch mal her, mein Alter! Da du vermutlich auf dem Weg nach dem Schloß bist, kannst du eine Bestellung von mir