Erster Gesang
Frühling ward's auf Cyperns schönem Eiland: Mit den Grazien schlang den Reigen Kypris Nachts bei Mondenschein im Myrthenhaine: Unter ihrem Tritt begann's zu spriessen Stracks von Primeln, Veilchen, Anemonen; Aus dem Schlaf erwachten Lenz und Liebe. Anhielt Nord und Ost den frost'gen Athem, Süd und West begannen lind zu säuseln. Schüchtern erst vertrauten sich die Knospen, Kühner bald dem Strahl der gold'nen Sonne. Neu belebte sich die Waldeinöde, Sich der Strand mit Blüten und mit Liedern. Wind und Wolken wichen vor der Göttin, Ihr zu Füssen schmiegte glatt das Meer sich, Und der Himmel ward voll milden Glanzes. Schwül war bald die Luft von Lenz und Liebe: Brünstig stürzten sich die Weidethiere In des Stromes eisbefreite Wogen, Schwammen froh von Trift zu Trift hinüber. Brünstig tauchten Vögel ihr Gefieder In die Flut, und brünstig aus ihr schnellte Der Delphin empor. Es quoll des Äthers Liebeskraft in linden Regenschauern Auf die neu erweichte Scholle nieder. Hehr erneute Juno, wie alljährlich, Mit dem Göttervater der Vermählung Jubelfest auf des Olympus Gipfel, Mit der Venus Gürtel neu sich schmückend. Paphos stand, die Rosenstadt, im jungen Grün und Purpur meerbespülter Gärten, Und der Liebesgöttin Tempelzinnen Ragten leuchtend hoch hinauf in's Blaue. Aber in des Tempels hohen Hallen, Weiten Höfen wogte Festlust rauschend. Fast begraben unter Blumen, Kränzen, Waren Stadt und