Erstes Kapitel
Der Bahnhofinspektor wechselte seinen Rock zur Ankunft des Zuges. »Verdammt, wie die Zeit läuft!« sagte er und reckte die Arme. Er war ein wenig über den Rechnungsbüchern eingeschlummert. Er zündete eine Zigarre an und ging auf den Perron hinaus. Wenn er so auf und nieder ging, in der strammen Uniform, die Hände in beiden Hosentaschen, sah man ihm noch den Leutnant an. Auch an den Beinen, die hatten die Rundung von der Kavallerie beibehalten. Fünf, sechs Bauernburschen waren gekommen und standen mit gespreizten Beinen in einem Haufen mitten vor dem Stationsgebäude; der Portier schleppte das Gepäck in einem vereinzelten grün angestrichenen Kasten herbei, der so aussah, als sei er am Wegrande verloren. Die Pfarrerstochter, die es an Größe mit einem Gardisten aufnehmen konnte, stieß die Perrontür auf und trat auf den Perron. Der Bahnhofinspektor schlug die Hacken zusammen und grüßte. »Was wollen das gnädige Fräulein denn heute?« fragte er. Wenn der Bahnhofinspektor sich auf dem Perron befand, schlug er immer den Ton an, dessen er sich in alten Zeiten bei der Kavallerie auf den Klubbällen bedient hatte. »Gehen will ich!« sagte die Pfarrerstochter. Sie hatte ganz eigentümliche, schlenkernde Bewegungen, wenn sie sprach, gleichsam, als wolle sie demjenigen, mit dem sie sprach, einen Schlag versetzen. »Übrigens kommt Fräulein Abel heute nach Hause.« »Schon? – Aus der Stadt?« »Ja–a.«