Chapter

Erstes Kapitel

Hell und sauber war es, das Dienstbotenzimmer in Schloß Garchim. An den beiden im Augenblick weit geöffneten Fenstern hingen weiße Vorhänge schlaff herab, die Tische und Stühle waren aus ungestrichenem, reingescheuertem, weißem Holz; weiß leuchteten die Schürzen der Köchin und des Hausmädchens, weiß war auch der große, runde Blechschirm über der mächtigen Petroleumlampe, die von der Decke niederhing und ihr Licht über den weißen Raum ergoß. Die drei Personen, die sich im Zimmer befanden, ruhten vom Tagewerk aus. Die Köchin hatte sich eine Brille aufgesetzt und häkelte an einem weißen Wolltuch für Winterstage. Das Hausmädchen saß ganz untätig ihr gegenüber am großen, länglichen Mitteltisch unter der Lampe und wehte sich mit ihrer Schürze Kühlung zu. Dabei warf sie vergeblich lockende Blicke auf den hübschen, jungen Diener, der, in ein Zeitungsblatt vertieft, ein wenig abseits von ihr saß und sich durch ihr Augenspiel nicht stören ließ. Er war ganz mit seiner Lektüre beschäftigt und strich sich nur zuweilen den kecken, blonden Husarenschnurrbart, den er aus der Militärzeit mit Erlaubnis der Herrschaft in das gegenwärtige Dienstverhältnis gerettet hatte. So saßen die drei eine Weile; dann blickten sie gleichzeitig empor. Die weiße Tür zum Korridor öffnete sich – sie tat es mit jenem behaglichen Knarren, das alten Türen in altmodischen Häusern eigen ist, – und ein Mann trat herein,

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