Am Scheidewege
An einem Julitage des Jahres 1789 lag die alte Stadt Valence im schönsten Sonnenschein unter blauem Himmel, und wer sie so zum ersten Male und in der Ferne vor sich erblickte, wie dies einem Reisenden geschah, der damals eben auf der Straße von Grenoble in einem kleinen Postcarriol sich ihr näherte, der mochte sich nicht leicht vorstellen, daß dies wirklich ein so altmodischer, finsterer Ort voll enger Gassen und hoher Giebelhäuser sei, wie man es ihm berichtet hatte. Das bergige Land glänzte rings in seinen grünen Gewändern, mitten hindurch bahnte sich die Rhone brausend und schäumend ihren Weg, und je näher der Stadt, um so zahlreicher streckten sich Fruchtgärten und Landhäuser an den Lehnen des Stroms und der Hügel aus, bis wo Valence selbst von seiner schwellenden Höhe herunterblickte. Und wer hätte bei diesem sanften, schönen Rundbilde voll Glanz und heiterer Ruhe wohl daran denken mögen, daß das ganze Land der Franzosen eben jetzt voll gährender Leidenschaften und wilder Parteikämpfe sei; war es doch, als ob man hier nichts von den stürmischen Auftritten in Paris wüßte, die Menschen vielmehr alle in friedlicher Abgeschiedenheit glücklich wohnten und lebten, als seien sie weit davon entfernt. Der Reisende auf dem Postkarren mochte ähnliche Gedanken haben, als er die duftigen Berge und die sonnenleuchtende Stadt ernst und nachdenkend und dann vor sich hin lächelnd