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Am Lethestrom

Ein wunderholder Maitag in den fünfziger Jahren war’s. Tiefblau spannte sich der Himmel wie mit nie von ihm versagter Huld über die blüthengesegneten Ufer der Elbe. Es war die Zeit, wo in einem gewissen Orte, zu Leipzig im Sachsenlande, der Sturm nur allzugewaltig in Blüthenhoffnungen Jahr ein Jahr aus einzubrechen pflegt, während dagegen andere kräftig aufgehen und allerdings wohlschmeckende Früchte bringen: Die Buchhändler zogen zur Leipziger Messe. Aber viele vergaßen manche trübe Erwartung, die ihrer am Abrechnungstische harrte, und Einer der Trefflichsten, die je einen Autor mit den Worten: „Ich bin gern bereit –“ beglückt haben, der frühgeschiedene Eduard Trewendt von Breslau, besuchte mich, froher Erwartung voll, mit dem mir schon aus früheren Zeiten bekannten Jugendschriftsteller Franz Hoffmann. Sie luden mich zu einem Abendimbiß, vielleicht auf der Brühl’schen Terrasse oder im Hôtel, ein. Die Bestimmung des Ortes wurde noch offen gelassen. Gustav Nieritz würde der Vierte im Bunde sein. Den allbeliebten Jugendfreund, dessen Wirkungen ich selbst als Familienhaupt täglich erproben konnte, wenn mich gute Laune nach Hause kommen ließ mit einigen im Buchladen mitgenommenen Bändchen „Nieritz’scher Erzählungen“ (die sofortige Lectüre unterdrückte fast den Ausdruck des vollen Jubels) – diesen Zauberer von Seligkeiten der Unterhaltung, ich hatte ihn persönlich noch nicht

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