Chapter

Am Ende der Welt

Droben im Hochgebirge, wo die Fahrstraße sich mühsam über den Paß windet und die letzten, hohen, schwarzgrünen Tannen den Weg säumen, ehe sie mehr und mehr zusammenschrumpfen zu Unterholz und niederem Busch, steht ein kleines, dürftiges Häuschen, in welchem der Wildhüter jahraus, jahrein in tiefster Weltabgeschiedenheit haust. Obwohl das armselige Gebäude sehr geschützt steht, eine hohe Felswand die eine Seite und die mächtige Tannenkulisse jenseits der Fahrstraße seine Front schützt, ist das tief niederhängende Dach doch mit gewaltigen Felssteinen beschwert, die winzigen Fensterchen tragen verwitterte Holzläden und die Haustür ist durch einen dicken Querbalken geschlossen, als gälte es, eine Festung vor dem Feind zu schützen. Der Postillon, welcher alle zehn oder vierzehn Tage, je nachdem im Sommer Verkehr und Bestellgut vorhanden, an dem Häuschen vorüberfährt, hat selten, fast nie, Fenster und Türen offen gesehen. Er kennt den Wildwärter kaum von Angesicht, denn der hat tagsüber in den Forsten seinen Dienst zu versehen, und trifft es sich zufällig mal, daß eine Extrapost mit eiligen Touristen am Sonntag fährt, so sieht man vielleicht den wetterharten, kernigen Mann in der grauen Joppe, den wildledernen Kniehosen und nägelbeschlagenen Bergschuhen auf der Bank sitzen und allerlei hölzernen Hausrat schnitzen. Er schaut dann kaum auf, nickt kurz und ernsthaft sein »Grüß di Gott!«

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