Erster Theil - Erstes Kapitel
Die Nacht wird kalt, sagte der alte Rudolph. Von dem Wettterfähnlein kreischt es herunter, die Eichen fangen zu rauschen an. Lege mehr Holz an den Heerd, Alwin. Der schöne Jüngling that, wie ihm geheißen war, und indeß er sich über die Flamme hinbog, sagte die Mutter: lauter Gluth ist's doch, so ein Jünglingsgesicht. Man sollte denken, in den Wangen und in den Augen sei das Feuer. Das auf dem Heerde nähre sich nur davon. Du sprichst ja wie die alte, wunderliche Handschrift, erwiederte der Greis. Soll ich draus 4 vorlesen? fragte Alwin. Die Aeltern nickten ihm zu, und er hohlte aus einem eichnen Wandschrank die Papiere hervor, daran der kleine Cirkel sich bisweilen zu ergötzen pflegte, vorzüglich zur Herbst- und Winter-Zeit, wenn die Abende lang wurden. Alwin zeigte sich alsdann besonders vergnügt, und die Mutter hatte oft ihre Bemerkungen darüber, wie ein so jugendliches Gemüth, lieber die fallenden Blätter sehen möge als die knospenden. Der Alte pflegte darauf zu erwiedern: Jedermann seine eigne Weise, und im Grunde war es der Mutter nicht unlieb. So blieb Alwin ihr gerne daheim, und wenn er sich auch einmal in das nahe Harzgebirg verstieg, pflegte er doch nicht um die gesellige Abendstunde zu fehlen, wenn es ans Lesen der alten Handschrift ging. Diese hatte man zufällig in dem alten Schlosse gefunden, in demselben 5 Wandschrank, woraus sie Alwin jetzt hervor nahm, und zu