Chapter

Kapitel 1

In schwerer Zeit bestieg Rudolph von Habsburg den lange verwaisten Königsthron. Die vorausgegangene absolutistische, der Kirche abgeneigte oder gar feindselige Regierungsweise der Hohenstaufen hatte dem Reichskörper zersetzende Stoffe eingeflößt. Die nächstfolgende Zeit brachte die Aussaat des Bösen zur Reife. Dann kam das unheilvolle Zwischenreich von 1256-1273, ein Tummelplatz für den Uebermuth selbstherrischer Großen und das Raubgelüste mancher Kleinen. Ohne Haupt war das Reich, ohne Schirmherrn die Kirche. Wohl glänzte auf dem goldenen Ehrenschilde des christlichen Mittelalters der Wahlspruch: Christus vincit, Christus regnat, Christus gubernat! Christus regierte die gläubigfrommen Gemüther, im Staatsleben waltete maßgebend sein göttlicher Geist, die ganze Gesellschaft durchdrang und beherrschte seine beglückende Lehre, und siegreich hielt das Kreuz die zu allen Zeiten ruhelos thätigen Geister der Tiefe nieder. Aber nicht in jeglichem Herzen gelangte Christus zur unbedingten Herrschaft. Viele suchten nicht das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, sondern Befriedigung ihrer Leidenschaften. Daher Fehde, Unterdrückung, Raub und Hader an manchen Orten. Es bedurfte Rudolphs kluger Stärke, weiser Mäßigung und ehrwürdiger Frömmigkeit, das gelockerte Gefüge des vielgestaltigen Reichskörpers wieder zu festigen. Und diese schwierige Aufgabe gelang dem seltenen Herrscher in solchem

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