Chapter

Erstes Kapitel

Laienbrüder und Eigenleute waren geschäftig, das hohe Gras der Wiesen rings um Lorsch abzumähen und im Brande der Junisonne in Heu zu verwandeln. Dies geschah mit großem Eifer, einige Tage vor der allgemeinen Heumahd; denn es nahte das große Fest heran, welches viele Tausende frommer Waller zu dem gebenedeiten, wunderwirkenden Leibe des heiligen Märtyrers Nazarius führte, der in überaus kostbarem Schrein in der Stiftskirche bewahrt wurde. So groß pflegte der Andrang der Massen zu sein, daß sie in den Herbergen des Dorfes Lorsch und des Klosters bei weitem nicht Raum fanden. Deßhalb wurden auf den Wiesenmatten Hütten aus Brettern und Baumzweigen errichtet, in denen die Wallfahrer rasteten. Zwei Tage vor dem Feste langten zwei Fremde an, von denen der Eine die Aufmerksamkeit des Gastbruders Anselm in besonderem Maße erregte. Der beständige Umgang mit Menschen der verschiedenartigsten Berufsklassen, wozu ihn das Amt verpflichtete, hatte Anselms Blick geschärft und ihm einen nicht geringen Grad von Menschenkenntniß verliehen. Obschon Männer hohen Ranges in Pilgertracht nach Lorsch wallfahrteten, unbekannt die Reliquien des Heiligen zu besuchen und dessen Fürbitte sich zu empfehlen, so täuschten sie doch selten, durch einfache Kleidung und angenommene Namen, den geübten Scharfblick des freundlichen Gastbruders. Als sich nun Einer der beiden Fremden »Ritter Pilgram« nannte, da glitt

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