Chapter

Erstes Kapitel

Eine seit langer Zeit erhoffte Seitenbahn verband nun endlich den Markt Altaich mit der Welt, von der er lange genug abgeschieden gewesen war. Man hat in Bayern für diese zahlreichen, sich in einem Sacke totlaufenden Schienenwege die gemütliche Bezeichnung »Vicinalbahnen«, und sie dienen in der Tat dazu, die Nachbarn näher zusammenzubringen. Etliche Meilen Weges genügen bei einer seßhaften Bevölkerung zur völligen Trennung, und nur Geschäfte konnten einen Altaicher nach Piebing und einen Piebinger nach Altaich führen. Wer nicht Händler oder Käufer war, blieb sitzen und begnügte sich mit der Gewißheit, daß es drüben, droben oder drunten ungefähr so aussah und doch nicht so schön war, wie daheim. Nun aber, weil die Bahn ging, mochte viele die Neugierde verführen, sich in der Nachbarschaft umzuschauen und Entdeckungen zu machen. Wohl hatte man in Piebing oft gehört, daß die Wirtschaft zur Post in Altaich ein stattliches Anwesen sei, aber so geräumig hatte man sich Haus und Stallung, die für sechzig Pferde langte, doch nicht gedacht. Die Stallung war noch in der guten Zeit gebaut worden, wo ungezählte Frachtwagen auf der Heerstraße fuhren und den Hausknechten die Säcke von den Trinkgeldern wegstanden, wo frühmorgens um vier Uhr angezapft und der Kessel mit Voressen ans Feuer gerückt wurde. Dann kamen die Eisenbahnen, und auf den Landstraßen wurde es leer. Keine Peitsche knallte

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