Allerseelen-Büchlein
De mortuis nil nisi bene: Wie ist der Spruch voll Lug und schlecht! De mortuis nil nisi vere: So sollte es heißen mit Fug und Recht! Tod, wo ist dein Stachel? Sag mir einer dies! – Ei, der blieb im Namen stecken, Den der Tote hinterließ! Auf Gräber passen Epigramme ausgezeichnet; Aufschriften sind ja hier am rechten Ort. Dünkt euch zum Leichenschmuck die Rose so geeignet, So müßt ihr dulden auch ein dornicht Wort. Über dem Eingang Es gibt kein Gasthaus in der Welt, Das so viel Betten wie dieses hält, Das so viel Gäste wie dieses hat, Von denen jeder still und satt, Von denen keiner sich Sorgen macht, Daß Schulden er auf morgen macht. Über dem Ausgang Konntest heute her dich wagen, Gehst auch heimwärts wieder frei; Kommst du morgen, wer will sagen, Ob der Heimweg offen sei? * Ein Pfarrer Du predigst vor leeren Bänken, Dein Küster war die Langeweil. Um eine Herde satt zu tränken, Ward Wasser dir genug zuteil; Doch brauchtest du dich nur zu zeigen, Da rissen alle Schafe aus. Bewahr' nur jetzt ein tiefes Schweigen, Den Kirchhof treibst du sonst nach Haus! Ein anderer Die Kraft des Wortes war dir ungeheuer. Einst sprachst du von der Hölle Flammenmeer, Da schrie der Türmer auf der Kirche: Feuer! Und mit der Spritze kam die Feuerwehr. Doch jetzt ist's jedermännlich klar, Daß alles blinder Feuerlärm nur war. Ein dritter Den Durst nach Himmelsschätzen wußtest du In andrer Herzen zu