Bubenreise
Dem Andenken eines lieben Verstorbenen Der kleine Andreas Amersin war dreizehn Jahre alt, als er aus dem Bauernhof in die Fremde kommen sollte. Das bedeutete zu seiner Zeit viel mehr als heute, denn da gab es noch keine Eisenbahn, die das Reisen gewöhnlich und den Raum gering gemacht hat. Es war in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Katharina Amersin, die verwitwete Bäuerin eines weiten Hofes zu Lichtenau, einem offenen, hohen Talorte der oberösterreichischen Landschaft, hauste mit ihrem Vater, zwei ledigen Brüdern und ihrem Buben, dem Andreas, in aller Ruhe und wäre allein wohl niemals auf den Gedanken gekommen, ihr Kind nach Wien zu schicken. Das war vielmehr der Einfall eines Mächtigen, der hier im Mühlviertel herrschte. Dieser Herr Bodner war vor langen Jahren eben so ein Bauernbub gewesen, wie Andreas Amersin, kam aber in die Welt hinaus und hatte so wohl gewirtschaftet, daß er, in die Heimat zurückgekehrt, ein Grundstück um das andere erwarb, einen großen, mannigfachen Betrieb anlegte und auf diese Weise unmerklich alle Menschen der Gegend in seinen Bereich einbezog. Herr Bodner hatte nämlich Hopfenpflanzungen, wo allein schon etliche hundert Leute im Herbste mit dem bloßen Abbeeren zu tun fanden, eine Mälzerei, welche mächtige Gerstenmassen zu sich nahm und eine Brauerei, die sie wieder zu einem süffigen Biere verbraut, an alle Gasthöfe ringsum herausgab.