Erster Theil
Es war ein sehr heißer Sommer, der Sommer des Jahres 18**, und einer der heißesten Tage in diesem Sommer war der sechste August. Die Sonne brannte mit wahrhaft afrikanischer Gluth auf die erhitzten Pflastersteine, und auf der breiten Hauptstraße der Stadt, die so recht der Nachmittagssonne ausgesetzt ist, war nicht einmal ein Hund, geschweige denn ein Mensch sichtbar. Die Kaufleute hatten die Thüren ihrer Läden geschlossen; vor und hinter allen Fenstern waren die Marquisen, Jalousien und Rouleaux herabgelassen; die ganze Stadt schien in heißem, dumpfem Schlafe zu liegen. Das Eichenstamm'sche Haus machte davon keine Ausnahme, obgleich es, breit und steinern wie es dastand, wohl im Stande zu sein schien, ein gut Stück Sonnengluth und Wintersturm mehr auszuhalten als seine hölzernen Nachbaren. Es war zwar nur einstöckig, aber so solid gebaut, und so rein und sauber, daß man ihm schon ein wenig Stolz zu Gute halten konnte. Hinter sich hatte es noch ein zweistöckiges Gebäude, das, den Giebel dem Herrenhause zukehrend, die eine Seite des Hofes bildete, und den Stall, die Wagenremise und die Klete enthielt. Den oberen Theil des Hauses entlang lief eine hölzerne, dunkele Gallerie, von der aus man zu mancherlei Gelassen gelangen konnte. Ging man über den geräumigen Hof, so kam man, wenn man einen schmalen Gang links ließ, an einen grünen Zaun, hinter dem ein kleiner, baumloser