Erstes Kapitel: Der Studierhelfer
»Lexel, kommst morgen früh um neun zu mir, kannst auch mitmachen, dein Vater wird's nicht verbieten, wenn's nichts kost'.« So sprach zu mir unser Pfarrer Barthelmeyer des Morgens in der Sakristei, wo ich mich als eine Art Unterküster und Diener bei der heiligen Messe, kurz, als sogenannter Ministrant eingefunden hatte. Der Pfarrer knüpfte sich dabei das weiße Schultertuch um, ein Gewandstück, das ohne die darübergeworfene Alba ein wenig komisch aussieht, wie eine Serviette, die sich einer aus Versehen hintenherum gebunden hat. – »Was hast denn mit der Alba wieder angestellt, Kerl, man meint, du hätt'st sie mit der Heugabel hing'schüttelt.« Also lautete das zweite Wort seiner Hochwürden. Nämlich als Ministrant hatte ich die sazerdotalen Gewänder auf dem heiligen sozusagen Toilettentisch für den Priester handgerecht bereitzulegen, was bei dem äußerst umfangreichen weißlinnenen Kleid, das man die Alba nennt, viel Sorgfalt, ja Kunst erforderte. Denn das Anordnen dieses Gewandes auf dem Ankleidetisch hatte nach ganz besonderen Regeln zu geschehen. »Da mag ja der Teufel 'neinfahren und sich darin verwirren«, polterte seine Hochwürden weiter. Aber der Teufel, wahrscheinlich weil ihm der Ort nicht geheuer dünkte, oder weil weiße Gewänder seinem Geschmack wenig entsprechen, wollte nicht erscheinen und in die Alba fahren. Statt dessen fuhren, trotz allem Fluchen, Seine Hochwürden hinein