Erstes Kapitel
Am neunten Tage des makedonischen Monats Lus begann die Not aufs Höchste zu steigen. Die Wachen bei den zusammengeschmolzenen Vorräten von Fischmehl und getrockneten Fischen rissen, vom Hunger überwältigt, die königlichen Siegel ab; als sie die erste Gier gestillt hatten, teilten sie auch andern aus, was sie bewahren sollten, von den gleichfalls hungernden, schreienden Kamelen umdrängt. Der Thessaler Pasas war unter den Frevlern der erste gewesen. Von unheilvoller Ahnung erfaßt, standen in geringer Entfernung die Befehlshaber. Keiner wagte dazwischenzutreten oder den Vorfall zu melden. Pasas schrie und tanzte wie ein Besessener. Seine beiden Hände waren mit der weißen, staubähnlichen Speise gefüllt, und er lachte, lachte wie jener Philistion, von dem man erzählt, daß er an unmäßigem Lachen gestorben sei. Einige Makedonier der Edelscharen kamen hinzu. Sie wollten nicht an der Untat teilnehmen, obwohl der Hunger sie quälte, als ob glühende Eisenkugeln durch ihre Gedärme rollten. Ihre Blicke richteten sich stumpf nach Osten; es war, als sähen sie noch die reichen Städte, die sie dort verlassen. Aber ringsum breitete sich die Wüste aus: dunkelgelb und regungslos. Die Nacht brach an. Sie kam nicht allmählich, sie kam plötzlich wie der Schrecken. Die Söldner, die sich gesättigt hatten, suchten mit verbrennender Kehle nach Wasser; die salzige Nahrung hatte ihren Durst ins