Al Rondo
Der Subdirektor des Kreditversicherungsinstitutes »Credo«, einer Aktiengesellschaft, die ihr moralisches Ansehen auch in den trübsten Zeiten zu wahren gewußt hat, saß vor einem mächtigen Schreibtisch, auf dem sich ein Berg von unerledigter Post türmte. Das mittelgroße Büro, dünn möbliert und mit nur einem, allerdings mächtigen Fenster, war um ihn wie ein in sich abgeschlossener Erdteil. Die gepolsterte Tür ließ kein Geräusch herein, die dunkelblaue Tapete dämpfte das Licht, die Decke, gediegen in Holz geschnitzt, teilte von ihrer Bräune etwas der Luft mit. Der ganze Raum stellte etwa die gesunde und ansehnliche Mitte dar zwischen der Zelle eines Häftlings und dem Audienzsaal eines Potentaten. Das Direktoriale schwang in ihm, aber auch das Subdirektoriale kam zum Durchbruch. Dr. Ernst Leihkauf saß, ungeachtet des hohen Berges von unerledigter Post, schon seit Minuten über der Lektüre eines Briefes, der nur wenige Zeilen umfaßte. Leihkauf, vor kaum einer Viertelstunde ins Büro gekommen, um mit seiner bewährten und geschätzten Arbeitskraft die Post zu prüfen und in Umlauf zu setzen, blieb an diesem Brief, dem dritten, den er geöffnet hatte, hoffnungslos hängen. Es stand wenig genug darin. Nicht mehr als dies: »Lieber alter Freund! Ich bin seit dem Ersten hier und habe durch Zufall erfahren, daß Du hier als mittelgroßes Tier lebst. Darum melde ich mich bei Ew. Gnaden und teile