I. Wer besitzt, wird besessen
So hatte ich mich denn angekauft! Vorher frei wie Jeder, der großes oder hinlängliches Vermögen hat, um allen Geschicken eines Landes aus dem Wege zu gehn, war ich nun selber verkauft, an mein Schloß, meinen See, meine Eichen, meine Unter-Herren (denn das heißt Unter-Thanen); mir ging es nur wohl, wenn es meinen Ochsen und Kühen und Kälbern und Fohlen wohlging! Ja, als ich das erstemal den Schäfer sah mit seinem Stabe und Hunde die Schafe austreiben, ward mir so demüthig zu Sinne, daß ich im Geiste als Milchschaf mich unter der Heerde hinwandeln sah, eine stattliche Schweizerglocke am Halse. Mir war ganz demüthig, bis ich mich besann, daß ich doch mehr der Hund, der Wächter, ja der Hirt meiner kleinen Menschenheerde sei... denn, wie mein Doppelgänger, bot mir der Hirt seinen: „Guten Morgen, gnädiger Herr Baron.“ Aber der Hund knurrte mich neubackenen Herrn noch an. — Ich hatte ihn noch nicht geprügelt; wie mir der Schäfer zu thun rieth. Denn Prügeln macht zum gnädigen Herrn! sagte er. Aber ich, mich keinen Augenblick zu verläugnen, sondern sogleich fest und wahr zu erscheinen wie ich bin, ich verbot ihm, bei Cassation ohne Phrase, was er als ohne Fraß... ohne Brot verstehen mochte: mich jemals wieder „gnädigen“ Herrn zu nennen. „Herr“ sei mehr, wenn nicht schon zu viel. Aber die Sprache hat für die neuen Verhältnisse noch keine neuen Ausdrücke.... doch die deutsche Sprache ist