1. Kapitel. Die Sonnenuhr
Vater Mond zog über den Fluß ein breites Silberband. Und drüben, wo des Leuchtturms weißes, schlankes Gemäuer, umgeben von hohen Bäumen, sich scharf gegen den ausgestirnten Junihimmel abzeichnete, erschien in stets gleichen Zwischenräumen ein anderes leuchtendes Band: die Lichtblitze des Leuchtturmes von Osternothafen. Vater Mond tat noch anderes … Spähte mit neugierigen Augen in das Buschwerk am Rande des Weges, der sich von der Fähre sandig und staubig unweit des Swineufers nach Osternothafen, dem kleinen Fischerorte gegenüber dem Luxusbade Swinemünde, hinzog … dicht vorüber an Kapitän Ollenpricks kleinem, blitzsauberen Häuschen, in dessen Vorgärtchen mancherlei Blumen, in zierliche, mit Muscheln umrahmte Beete verteilt, ihre Düfte mit dem wenig angenehmen Geruch von geteerten Booten und faulenden Fischresten vereinten. Vater Mond war neugierig … Alte Leute sind das zumeist … Und Vater Mond kannte Kapitän Ollenpricks Häuschen und die ganze Umgebung doch bereits seit vielen, vielen Jahren. Noch nie waren jedoch in solch einer lauen Sommernacht wie der heutigen, in den Büschen zwei Männer verborgen gewesen … Zwei, die nur Vater Mond von oben her erspähen konnte … Zwei Männer in Sportanzügen und mit weißen Mützen und mit schönen blonden Spitzbärten, die leider nicht ganz echt waren … Zwei … Wir: Harald Harst und ich! — Seit gestern waren wir in Swinemünde, wohnten dicht am