1. In Sibirien
Die kurze Zeit, die unterm 64. Grad nördlicher Breite, also fast in der Zone des Polarkreises, als Sommer gilt – das heißt, in welcher der Schnee an den westlichen Abhängen des Stanoway-Gebirges schmilzt, für wenige Wochen dürftige Halmen aus dem Boden und Zweige aus dem niedern Koniferenwerk oder den Birkenbüschen sprießen und die Sonne nur kurze Stunden unter den Horizont tritt, also der Juli und August – war längst vorüber; schon seit vier Wochen war der Winter wieder eingetreten und der Schneesturm fegte mit seiner gewaltigen Macht über die Tundra und durch die öden Täler. Es war noch früh am Morgen, als sämtliche Bewohner der kleinen, aus wenigen elenden Blockhäusern und Jurten bestehenden Kolonie Katemskoi, eine der alten Zawods oder Tributstationen für die Stämme der Jakuten und Tungusen zwischen dem oberen Lena-Gebiet und Ochotzk vor dem Blockhaus des Holowa oder Gemeindevorstehers versammelt waren. Ein Armiaks von Schafwolle gekleidet, darüber Pelze von Wolfsfell, saßen bereits auf den hohen Sätteln, welche mit den dicken Filzdecken, Potniki genannt, auf kleine, wild und unbedeutend aussehende, aber ungemein ausdauernde Steppenpferde geschnallt waren, und schienen ungeduldig die Insassen des Schlittens zu erwarten, den sie zu begleiten hatten. Wenn wir eben von der ganzen Bevölkerung der Kolonie gesprochen haben, so müssen wir sogleich bemerken, daß diese aus höchstens