Erstes Kapitel
An einem schönen Frühlingstage des Jahres 1789 saß in einer Thurmzelle der Bastille zu Paris ein junger Schweizer, sein mit dem ersten Flaum bedecktes Kinn schwermüthig in die Hand stützend und durch das kleine Fenster, welches in der drei Ellen dicken Mauer angebracht war, nach dem blauen Himmel hinaufblickend. In den schön gebrannten Locken neben seinen großen blauen Augen war der Puder hier und da durch den Schweiß verwischt, denn er hatte so eben für drei seiner Kameraden in der Mittagssonne Schildwache gestanden. Selbst das neue Zöpfchen seines eignen braunen Haares war nicht ganz ohne Beschädigung davongekommen. Dafür strahlte aber seine reich bordierte Uniform nebst seinen weißen Beinkleidern, seinen schwarzen Kamaschen und knapp anliegenden Schuhen im schönsten Glanze. Sein hoher dreieckiger Hut hing im Winkel auf dem blanken Gewehr neben der Fensterböschung. Er hätte wohl noch lange in's Leere hinausgestarrt, wenn er nicht gestört worden wäre. Er hörte etwas an seiner Thüre poltern, sprang auf, öffnete sie und sah seinen Schulfreund Borel mit einem Haufen von Büchern und Papieren, die er kaum schleppen konnte. Der junge Mann stürmte herein und warf seine Bürde auf den einzigen Eichentisch des Gemachs. Tief Athem holend, sagte er: »Da! Die Scharteken haben mir warm gemacht! Ihren Verfassern wird es aber noch wärmer werden . . . Doch, Bernard, was fehlt Dir? Du bist