11 Uhr 57
Das Haus am Eck heißen sie zum Bismarck. Es wohnt ein Förster drin, der hat's mit ihm gehalten, als er noch der bestgehaßte Mann war. Der hält's mit ihm noch heute, da die ausgebrannten Rippen seines Reichsbaus klagend in verhangene Himmel starren: So weit haben's die gebracht, die nach dir kamen. Bei diesem alten Förster bin ich gestern eingekehrt. Ich tu das immer gegen Jahreswende. Da sind seine Enkel auf Besuch. Deren Frohsinn macht die alte Wetterstirne etwas leichter. Wenn er auch sachte murrt, der Alte: »In allen Zimmern rutscht die Rasselbande umeinander. Vor nichts haben sie Respekt. Neulich hab' ich sie sogar von meiner Bismarckuhr verjagen müssen.« Sie steht in einem Extrazimmer, diese Uhr. Das Riesenauge ihres Zifferblatts beherrscht den Raum. Wer hereinkommt, sieht nur dieses Blatt. Es schläft nie. Bei offenem Fenster sieht es weit hinaus ins Land und fragt und fragt. Leute, die, von einem Hügel gegenüber, ihrem Förster in die Wohnung gucken wollten, sind zurückgefahren: »Hu, da starrt ein Ries' heraus!« Es geht die Sage, daß die Uhr von Bismarck stamme. Wahr ist, daß er ihr einmal ins Aug' gesehen hat, ein Riesenauge in das andere. Wahr ist, daß sie früher einem Jagdgehilfen in Friedrichsruh gehört hat. Daß der Kanzler sie in dessen Wohnung sah bei seinem letzten Morgenausgang: »Da habt Ihr ein famoses Erbstück. Wohl schon alt, mein Lieber?« – »Zu Befehl,